Geschichte des Billards

Dokumentarisch belegt ist die Existenz des Billard erst seit der
Renaissance, der Zeit zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert. So
wurde 1514 auf der Inventarliste der französischen Gräfin Charlotte
d'Albert ein Billardtisch aufgeführt. 58 Jahre später, in der
Bartholomäusnacht am 24. August 1572, versuchte König Karl IX.,
sich beim Spiel mit den Billes (franz. = Kugeln) abzulenken, derweil
zur selben Stunde in Paris und ganz Frankreich mehr als 20000
Hugenotten auf seinen Befehl hin niedergemetzelt wurden.

 

Doch nicht immer wurde Billard unter so blutrünstigen Umständen
betrieben. Sicherlich, sein Wettspielcharakter führte bei so mancher
Partie zu der einen oder anderen tätlichen Auseinandersetzung.
Man spielte um Geld und Prestige, so wie beispielsweise die Herren
Mellant und Legant in Maisonfort, die während einer Partie heftigst
aneinander gerieten. Das Ende des Streits war ein spontanes Duell,
wobei die Wahl der Waffen leicht fiel: Kugeln - allerdings Billardkugeln
! Monsieur Mellant machte kurzen Prozess: Er bewarf und traf seinen
Contrepart so hart mit der roten Kugel, dass dieser tot umfiel. So
geschehen im Jahre 1843.

 

War zur Zeit der Frührenaissance das Tischspiel noch dem Adel
vorbehalten, änderte sich dies zu Beginn des 17 Jahrhunderts. 1610
wurde in Frankreich erstmals eine Genehmigung erlassen, die es
erlaubte, öffentliche Billardsalons zu betreiben. Aber auch in anderen
europäischen Ländern griff zu jener Zeit der "Kugel-Bazillus" schnell
um sich.

Gleichzeitig zu seiner raschen Verbreitung wurde das Spiel zunehmend
verfeinert, die Geräte immer weiter verbessert. Diese Kultivierung brachte
Neuerungen wie den Tischbezug mit feinem Stoff, Kugeln aus Elfenbein
oder Edelhölzern, leichtere und gerade Queues mit Lederkäppchen und
elastischere Banden. Das Spiel wurde zusehends variiert, so dass 1855
die Enzyklopädie der Spiele von Alvensleben nicht weniger als 35
Variationen der "Ballspiele auf dem Tisch" aufführte. Während sich aus
dem deutschen Billard, dem Lochbillard, bald das Snooker und später in
Amerika daraus das Pool entwickelte, bekamen ursprünglich zwei Kugeln
des französischen Billards, dem Carambol, eine Schwester hinzu.

1884 gründete der französische Meisterspieler (und wahrscheinlich erste
Vollprofi) Maurice Vignaux in Paris das "Cafe Magnin" - die erste
Billardakademie der Welt. Der Wettstreit mit dem Amerikaner Slossom, bei
dem Vignaux mit einer ununterbrochenen Serie von 1531 Kugeln gewann,
zeigt, dass Billard damals schon im neuen Kontinent weit verbreitet war.
Bereits sechs Jahre zuvor fanden die ersten amerikanischen
Poolmeisterschaften statt. In Europa mit Ausnahme von England, setzt sich
jedoch zunächst das französische Carambol durch. Erst nach dem Zweiten
Weltkrieg wurde Pool durch die amerikanischen Soldaten nach Europa
reimportiert. Es dauerte nicht lange, bis sich lockere Gemeinschaften
zusammenfanden, die dem "neuen" Sport nachgingen.

 

1971 schließlich organisierte man sich in Deutschland zum "Deutschen
Pool-Billard-Bund e.V." (DPBB). Er führte einheitliche Sport- und Spielregeln
ein, die mit der Aufnahme in die "European Pocket Billard Federation" (EPBF)
aktualisiert und den internationalen Regeln angepasst wurden. Offizielle Spiele
wurden das 8-Ball, 9-Ball und 14.1 endlos. In allen drei Varianten werden
Europa- und Deutsche Meisterschaften, im 9-Ball auch Weltmeisterschaften
ausgetragen.

(Quelle: Poolbillard von Bogdan Pejcic und Polf Meyer aus dem Falken-Verlag)